Rationalität und Intuition im Management-Alltag

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Ich habe in meinem letzten Post gezeigt, dass Intuition im Management-Alltag sehr verbreitet ist. Ich bin mir aber sicher, dass Sie auch schon beobachtet haben, dass intuitive Entscheidungen natürlich auch falsch sein können. Deswegen möchte ich Intuition nicht einfach glorifizieren. Für mich gilt noch heute, was der Nobelpreisträger Herbert A. Simon schon in den 1950er Jahren empfohlen hat.

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Herbert A. Simon hat sich intensiv mit den Grenzen der Rationalität von Unternehmen und Verwaltungen auseinandergesetzt. Zudem hat er sich auch mit der Intuition beschäftigt. Dann kam er zu folgendem Schluss:

„Es wäre verfehlt, den analytischen gegen den intuitiven Management-Stil ausspielen zu wollen. (…) Als Führungskraft muss man die Unternehmensführung in ihrem ganzen Spektrum beherrschen und je nach Situation richtig einsetzen können.“

Herbert A. Simon (zit. n. Bischoff 2015, S. 212)

Für Simon braucht’s also beides. Rationalität und Intuition sollten im Management-Alltag nicht Gegen- sondern Mitspieler sein.

Meine persönlichen Schlussfolgerungen:

  • Intuition und Rationalität sind für erfolgreiches Managen gleichermassen wichtig. Beide Ansätze haben ihre Möglichkeiten und Grenzen. Dieser muss sich die erfolgreiche Praktikerin, der erfolgreiche Praktiker bewusst sein. Nur so kann treffsicher entschieden werden, auf welchen Ansatz wann gesetzt werden soll.
  • Intuition kann in gewissen Fällen der Rationalität überlegen sein. Daher sollte ein Klima geschaffen werden, das es (intern) zulässt, zur Intuition zu stehen. Es wäre fatal, wenn vom Potenzial von Intuition nicht genügend Gebrauch gemacht werden könnte (oder dürfte).
  • Da Intuition aber nicht unfehlbar ist, sollte sie wenn immer möglich überprüft werden. Das kann zum Beispiel durch Vergleich mit Intuitionen Dritter oder durch Vergleich mit den Ergebnissen von Analysen geschehen. Zudem sollte man selbstkritisch mit der eigenen Intuition umgehen. Das gilt gerade auch dann, wenn man erfolgsverwöhnt ist. Erfolge der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft.
  • Geht es um die Vorbereitung komplexer und weitreichender Entscheidungen, sollte das Verhältnis von Intuition und Rationalität vorgängig geklärt werden. Wann soll – zum Beispiel im Rahmen eines Workshops – bewusst auf Intuition gesetzt werden? Wie sollen die so erarbeiteten Ergebnisse systematisch überprüft werden? Wann soll wie analytisch-rational vorgegangen werden? Mit welchen Tools? Wo stösst dieses Vorgehen an seine Grenzen?
  • Die grosse Mehrheit von Anspruchsgruppen und –personen erwartet, dass Entscheidungen (nur) rational begründet werden. Das muss bei der Kommunikation von Entscheiden natürlich berücksichtigt werden. Sich nur auf Intuition zu beziehen, dürfte auch in Zukunft vielerorts aus guten Gründen verpönt sein.

Es geht also meines Erachtens darum, das Potenzial des analytisch-rationalen und des intuitiven Vorgehens bewusst, transparent und kontrolliert zu nutzen. Die Entwicklung von Management-Kompetenzen sollte beide Dimensionen umfassen.

In meinem nächsten Beitrag möchte ich mich einem Thema zuwenden, das ich immer wieder in Workshops beobachte und in Coachings diskutiere: Jemand bringt einen erfolgsversprechenden Vorschlag in die Diskussion ein, und dann geht er oder sie im allgemeinen Rauschen einfach unter. Was kann gemacht werden, um das zu verhindern?

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