Für mehr Agilität: Effectuation

Märkte sind heute sehr dynamisch und kompetitiv. Die Lebenszyklen vieler Produkte sind kürzer geworden. Teils mischen neue, ursprünglich branchen-fremde Anbieter mit neuen Geschäftsmodellen das Spiel von Angebot und Nachfrage neu auf. Vor diesem Hintergrund sind neue Methoden gefragt, die kundenorientiertes, innovatives, flexibles und rasches, also agiles Arbeiten fördern. Effectuation ist eine solche Methode. Sie orientiert sich am typischen Vorgehen erfolgreicher Unternehmerinnen und Unternehmer und ist in der Management-Praxis von heute vielseitig einsetzbar.

 
Die Entrepreneurship-Forschung untersucht seit den 1980er Jahren, wie erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer in ihrer Praxis entscheiden und handeln. Anders als in der traditionellen BWL geht es hier weniger um systematische Analysen, grosse Pläne, Auf- und Ablauforganisation, Rechnungswesen etc. Stattdessen gilt das Interesse jenen gestalterischen Vorgehensweisen, die der Entstehung neuer Produkte, neuer Dienstleistungen oder neuer Geschäftsmodelle dienen.

Das Grundmodell von Effectuation

Effectuation ist ein Kunstwort, das die Entrepreneurship-Forscherin Saras Sarasvathy eingeführt hat. Sie bezeichnet damit eine agile Methode, die – wie entsprechende Forschung gezeigt hat – oft mehr oder weniger intuitiv von Unternehmerinnen und Unternehmern angewandt wird. Charakteristisch ist dabei ein ressourcen-orientiertes, schnelles und innovatives Denken und Handeln in kleinen Schritten, das immer offen ist für neue Chancen und das sich daher auch rasch veränderten Umständen anpassen kann. Die folgende Darstellung stellt die wesentlichsten Elemente von Effectuation vor:

Grundmodell Effectuation

Die obige Graphik zeigt, dass nicht mit umfangreichen Marktanalysen und ähnlichem gestartet wird, sondern mit den verfügbaren (personellen) Mitteln. Welche Kompetenzen haben wir? Welche Kompetenzen können wir über unser Netzwerk zusätzlich mobilisieren? Und vor allem: Was können wir damit tun? (Das erinnert an die Vorgehensweise beim Entwickeln neuer Geschäftsmodelle.) Der nächste Schritt besteht in der Interaktion mit den wesentlichen Anspruchspersonen und -gruppen. Im Rahmen von Vereinbarungen werden Ziele (oder mindestens Zielkorridore) und Mittel definiert. Dabei sind aber diese Grössen nicht fix bis ans Projektende vorgegeben, sondern werden typischerweise schrittweise während des Vorhabens neu verhandelt. Effectuation arbeitet mit kurzen iterativen Schlaufen. (In dieser Hinsicht ähnelt es Scrum.) Damit wird sichergestellt, dass man auf Veränderungen im Umfeld und auf die im Verlaufe des Vorhabens erarbeitete Konkretisierung des Projekts schnell und unkompliziert reagieren kann.

Die vier Prinzipien von Effectuation

Das oben gezeigte Grundmodell von Effectuation wird durch vier Prinzipien ergänzt:

Prinzip der Mittelorientierung «Mittel» meint Wissen, Fertigkeiten, Erfahrungen, Werte, Vorlieben, Kontakte, Netzwerke etc. Das optimale Nutzen und Entwickeln vorhandener (und künftig benötigter) Mittel ist zentral. Gesucht sind dann (vorläufige) Zielvorstellungen (und mind. vorerst nicht SMARTE Ziele), die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgt werden sollen.
Prinzip des leistbaren Verlusts Statt sich in der anfänglich typischerweise sehr offenen Situation auf erzielbare Erträge, Ebit-Margen, Return on Investment u. ä. zu fixieren, orientiert man sich schrittweise am je leistbaren, also klar begrenzten Verlust. Das widerspiegelt das Wissen darum, dass die Suche nach Neuem nicht immer erfolgreich sein kann. Zudem gibt es auch eine klare Schwelle, bei deren Erreichen aufgehört und etwas Neues versucht wird.
Prinzip der Umstände und Zufälle Veränderte Umstände, Zufälle oder Ungeplantes sollen nicht als Störungen abgetan, sondern wenn immer möglich und sinnvoll bewusst als Chancen genutzt werden. Da Ziele (anfänglich) nicht fix sind, werden diese gegebenenfalls den neuen Möglichkeiten angepasst.
Prinzip der Vereinbarung und Partnerschaften Mit den für das Vorhaben relevanten Anspruchsgruppen und –personen (Kunden, Führungskräfte, Mitarbeitende etc.) werden Vereinbarungen getroffen, mit denen Verbindlichkeit betreffend Stossrichtung und Ressourcen einer partnerschaftlichen und verlässlichen Zusammenarbeit gewährleistet werden. Je nach Projektverlauf müssen diese Vereinbarung angepasst werden.

Die vier Prinzipien von Effectuation

Anwendung von Effecutation in der Praxis

Anwendungsfelder von Effectuation sind zum Beispiel Unternehmensgründung, Innovation, Organisationsentwicklung / Change Management, Marketing u.v.m. Effectuation kann in der Praxis am besten dann eingesetzt werden, wenn die Situation noch sehr offen ist und wenn daher noch keine allzu konkreten Ziele definiert werden können. Wenn das Vorhaben dann im Verlauf der Arbeit klarere Konturen erhält, wenn die Ziele konkreter werden, wird man mehr und mehr auch traditionelle Mittel des Projektmanagements einsetzen wollen. Effectuation kann also auch im Rahmen hybrid gestalteter Projekte verwendet werden.

2017-12-19T10:29:45+00:00 Von |Agil, Führung, Hybrid, Projektmanagement, VUCA|

Hinterlassen Sie einen Kommentar