Analyse von komplexen Management-Situationen: was und wieviel braucht’s? (Forts.)

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Komplexe Management-Situationen sind – gerade auch in sehr dynamischen Zeiten – immer wieder neu. Lösungen von gestern sehen da ziemlich schnell ziemlich alt aus. Eine wichtige Management-Aufgabe besteht daher darin, solche Situationen immer wieder neu zu durchleuchten, um anschliessend zu zielführenden Massnahmen gelangen zu können. Dabei muss man sich irgendwo zwischen der Paralysis by Analysis und der Extinction by Instinct positionieren. Ich möchte Ihnen im folgenden Beitrag zeigen, welche Faktoren den Aufwand für und die Qualität von solchen Analysen beeinflussen. Zudem erfahren Sie, wie Sie diese Faktoren Ihrer konkreten Management-Situation entsprechend gestalten können.

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Anlässe zu umfassenderen Analysen gibt es im Management-Alltag immer wieder. Ein grösseres Projekt soll gestartet, die bestehende Marketingstrategie soll überprüft oder die Organisationsstruktur eines Profit-Centers soll gecheckt werden. Je nachdem werden solche Arbeiten von einzelnen Fachleuten, im Rahmen eines Projekt-Meetings oder etwa anlässlich eines Management-Workshops durchgeführt. Manchmal werden dazu spezielle Tools eingesetzt, manchmal findet einfach eine Diskussion statt. So oder so sollten in einem ersten Schritt die konkrete Aufgabe und der genaue Fokus der Analyse definiert werden (vgl. dazu auch meinen letzten Beitrag). Der Aufwand, der in die Analyse investiert wird, sollte in einem sinnvollen Verhältnis zu den entsprechenden Anforderungen stehen. Grundsätzlich gilt natürlich: je komplexer der Gegenstand der Abklärungen und je weitgehender die Folgen der darauf aufbauenden Entscheidungen, desto mehr Aufwand soll oder muss betrieben werden.

Nicht-sachliche Einflüsse

Der Aufwand hängt nicht zuletzt auch von nicht-sachlichen Grössen ab. Wird etwa die Ausgangslage im Rahmen eines Meetings diskutiert, hat die Gruppendynamik einen erheblichen Einfluss. Ist die Zusammenarbeit eher herausfordernd, wird das den zeitlichen Aufwand erhöhen. Ich habe aber auch schon beeindruckende Erfahrungen mit gut eingespielten Teams gemacht. Dann wird es möglich, das vorhandene Knowhow optimal zu vernetzen, was die Qualität der Analyse erheblich verbessern und den zeitlichen Aufwand senken kann.

Auch persönliche Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Persönlichkeiten, die eher detailorientiert, vielleicht auch akribisch sind, können ihre Stärken vor allem dann zum Einsatz bringen, wenn es darum geht, Facts & Figures auszuwerten und wenn der Fokus dabei eher eng ist. Geht es dagegen um das Erarbeiten eines Gesamtbilds oder um das Entwickeln von mittel- bis längerfristigen Szenarien, können Menschen, die kreativ und breit interessiert sind, oft wesentliche Beiträge leisten.

Weitere Faktoren

Weitere Faktoren

Die obige Tabelle führt zusätzliche Faktoren an, die einen Einfluss auf den zu betreibenden Aufwand haben. Zudem zeigt sie, wann es sinnvoll ist, mehr zeitliche und personelle Ressourcen in die Analyse zu stecken und wann nicht.

Praxistipp

Mein Praxistipp läuft also darauf hinaus, mit Analyseaufträgen zu arbeiten (siehe dazu meinen letzten Beitrag). Zudem sollten die im vorliegenden Post genannten Faktoren bewusst gestaltet werden. Damit sind schon viele Voraussetzungen dafür geschaffen, auch in komplexen Management-Situationen eine hilfreiche Analyse mit vertretbarem Aufwand zu erarbeiten.

Nächster Beitrag

In meinem nächsten Beiträgen möchte ich auf die Gegen- (oder Mit-?) –spielerin der Analyse, nämlich auf die Intuition zu sprechen kommen. Welche Rolle kann oder soll sie im Management-Alltag spielen?

2017-12-14T16:37:19+00:00 Von |Analyse, Entscheidungen, Komplexität, VUCA|

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