Agiles Projektmanagement: mehr als nur ein paar neue Tools

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Soll ein Projekt agil gemanagt werden, genügt es nicht, einfach ein paar neue Tools einzusetzen. Es braucht dazu ein neues Verständnis von Projektmanagement. Wie sieht dieses aus? Was folgt daraus für die Praxis?

 
 
Traditionelles Projektmanagement behandelt Projekte grundsätzlich so, als ob sie Maschinen oder Instrumente wären, die dazu dienen, ein im Voraus festgelegtes, klar definiertes Ziel zu erreichen. Um Sicherheit zu gewinnen, werden oft umfangreiche Analysen und ebensolche Pläne angefertigt. Über Hierarchie wird dann dafür gesorgt, dass sich die Projektarbeit in geordneten Bahnen abspielt. Abweichungen vom ursprünglichen Plan werden als Pannen betrachtet, die nach Reparaturen verlangen.

Wenn es aber darum geht, ein komplexes Projekt agil zu managen (vgl. dazu auch meinen letzten Post), ist die traditionelle Herangehensweise kaum hilfreich, weil anfangs einfach zu viele Fragen noch offen sind, weil Ziele (noch) nicht detailliert definiert werden können und sich noch ändern können, weil Überraschungen nur überraschen, wenn sie nicht eintreten und weil sich die (Projekt-) Realität allzu oft nicht an die Pläne hält. In solchen Fällen braucht es ein grundlegend anderes Verständnis dessen, was ein Projekt ausmacht und wie es zu managen ist.

Es ist ziemlich paradox: Mindestens zu Beginn der Arbeit in komplexen Projekten ist noch vieles offen, unstrukturiert, unklar. Gleichzeitig verlangt aber effiziente und effektive Projektarbeit, dass rasch Orientierung ermöglicht wird, dass Klarheit über das (grundsätzliche) Vorgehen geschaffen wird und dass der Nutzen (die Sinnhaftigkeit) des Projekts vermittelt wird. Nur so können sich alle Beteiligten voll engagieren, Verantwortung übernehmen und flexibel und innovativ mit Veränderungen umgehen.

Das kann nur gelingen, wenn Projektmanagement als Führungsaufgabe verstanden wird, die nebst den sachlichen Aspekten auch die prozesshafte, also die dynamische (oder zeitliche) Dimension sowie die zwischenmenschliche, d. h. die soziale Dimension bewusst mitgestaltet. Da dies alles auf der Grundlage von Kommunikation geschieht, schlage ich vor, komplexe Projekte nicht als Maschinen sondern als lebendige resp. soziale Systeme zu betrachten.

Grundmodell des agilen Projektmanagements

Die obige Graphik zeigt das Grundmodell des agilen Projektmanagements. Es beruht auf einem systemischen Projektverständnis. Einen ersten Überblick dazu können Sie »hier herunterladen.

Vorteile für die Praxis

Einige Vorteile dieses Projektverständnisses für die Praxis des agilen Projektmanagements:

  • Es basiert auf dem systemischen Ansatz, in dessen Fokus der zielführende Umgang mit Komplexität steht.
  • Es begegnet der inhaltlichen Vielfalt komplexer Projekte mit einer ganzheitlichen Sichtweise. Es betont also, dass eindimensionales Projektmanagement (mit dem z. B. ausschliesslich technische Aspekte gemanagt werden) meist nicht zielführend ist.
  • Mit seiner Orientierung an Projektprozessen und mit seiner Akzeptanz von Änderungen ist es grundlegend dynamisch und auf Agilität ausgerichtet. Daher ist es auch so «lean» als möglich gestaltet und verzichtet auf unnötige Bürokratie.
  • Es betont die Einzigartigkeit jedes Projekts. Daher gibt es nicht einfach das eine richtige Rezept, das auf alle Projekte erfolgreich angewandt werden kann. Vielmehr geht es darum, die Einzigartigkeit des jeweiligen Projekts zu verstehen. Darauf aufbauend werden die Projektprozesse so gestaltet, dass sie zu den Anforderungen des jeweiligen Projekts passen. In diesen Prozessen werden dann in der Regel traditionelle und neue Tools kombiniert (Projekte, die ausschliesslich mit agilen Methoden arbeiten, sind selten). Das ist praxisgerechter und zielführender als zu versuchen, das immer gleiche Rezept (oder Dogma) auf alle Projekte anzuwenden.
  • Zu dieser Einzigartigkeit des Projekts gehört immer auch der Projektkontext, resp. die Projektumwelt. Diese muss laufend beobachtet werden, damit auf Veränderungen (z. B. am Markt) rasch reagiert werden kann. Dem Gestalten der Beziehungen zu den wichtigsten Anspruchsgruppen und -personen des Projekts kommt hohe Bedeutung zu. Das gilt im besonderen Masse auch für die Kundinnen und Kunden.
  • Letztlich geht es beim Projektmanagement immer um Kommunikation und Entscheidungen. Es wird verhandelt, orientiert, informiert, moderiert, geführt, vernetzt und entschieden. Die Art und Weise, wie im Projekt entschieden wird, hängt vom Programm, von den Strukturen und Prozessen, von den Personen und nicht zuletzt von der Kultur des Projekts ab (vgl. dazu das obige Projektmodell).

In meinem nächsten Post möchte ich auf die konkrete Gestaltung von Kommunikation und Entscheidungen in agilen Projekten eingehen.

2017-12-19T10:34:03+00:00 Von |Agil, Projektmanagement, Tools|

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